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der lange weg der guaten stoffe

December 4, 2015

Arlindo‘s paradiesapfelroter Jeep rumpelt über die mit Schlaglöchern übersäte, staubige Landstraße. Rechts und links ragt die immergrüne Vegetation wie eine Wand vor uns auf, Bäume hoch wie Kathedralen. Die animalische Kakophonie steigert sich zum Crescendo; die Sonne brennt vom Himmel.

 

 

 

Wir sind wieder mal in Guatemala, genauer gesagt im Hochland rund um Quezaltenango und mit unserem amigo unterwegs, um neue Produzenten, neue Farbkombinationen, kurz gesagt neue guate stoffe zu entdecken.

 

Denn die Idee, die Essenz und die Intention unseres kleinen Shops in der Wiener Westbahnstraße ist es, nicht den einfachen, bequemen Weg zu beschreiten. Nein, wir wollen nicht über dubiose Zwischenhändler oder Mittelsmänner, deren falsche Goldkronen in der Sonne glänzen, unsere Waren beziehen. Wir fahren direkt zu den Produzenten, zu den Frauenkooperativen und kleinen Familien.

Gackernde Hühner scharren vor den Häusern, Rauch wabert aus den Schornsteinen. Frauen in ihren bunten, traditionellen Trachten und Kinder mit ihren riesengroßen, dunklen Augen schauen uns neugierig an.

 

Hier wird traditionell gewebt, mit Hüftwebrahmen und hölzernen Webstühlen. Hier entstehen sie, die bunten Stoffe, in denen die ganze Lebensfreude Lateinamerikas steckt. Diese lebensbejahenden, polychromen Farben, die uns Mitteleuropäern in den grauen Wintermänteln zurufen: genießen, staunen und lieben und lachen! Das ist es, was uns zu Menschen macht; das ist es, was uns eint, und nicht voneinander trennt!

Es steckt viel Weisheit in den zerfurchten Gesichtern dieser Nachfahren der Mayas. Sie leben in einer langen textilen Tradition, sind mit der Geduld ihrer Vorfahren gesegnet und ihrem ansteckenden, lauten Lachen kann man sich nur schwer entziehen.

Unsere Dolmetscherin übersetzt Quiche, die indigene Landessprache ins Spanische, sie erzählt von Erdbeben, der Stagnation der Regierung, der Isolation und der Landflucht der Jüngeren.

 

Arlindo, der hier eine amerikanische NGO repräsentiert, erklärt dem Dorfkollektiv von seinen Plänen, einen strukturellen Ablauf von Herstellung und Verkauf auf den umliegenden Märkten zu organisieren.

 

Wir kaufen verschiedenen Familien ein paar Dutzend cubrecamas ab, bunte Decken, handgewebt und liebevoll zusammen genäht – alles unikale Einzelstücke. Und wir stellen uns vor, welch weite Reise sie vor sich haben, um dann auf den Sofas und Betten unserer Stadt die Menschen zu erfreuen, und zu wärmen, während draußen der Schnee fällt und fällt, in einer kalten Winternacht.

 

Wir laufen durchs Dorf, schütteln Hände und klopfen auf Schultern, wir spielen Fußball mit den schreienden Kindern. Unser Mittagessen wird uns aus einem schwarzen Topf kredenzt, in dem eine undefinierbare Brühe brodelt, aus der sich ein einzelnes Hühnerbein anklagend gegen Himmel streckt.

 

Als wir da, mal eine Minute alleine, am Randstein sitzen und eine Zigarette rauchen, sehen wir nach oben. Dichte, graue Wolken haben sich formiert, bedecken den ganzen Azur des Himmels. Doch dahinter strahlt mit kraftvoller Zuversicht die Sonne. Wir können sie spüren.

 

Fazit:

Weben in Guatemala ist eben nicht nur Handwerk, Broterwerb oder Zeitvertreib. Vielmehr ist es Mystik, es ist das Teilhaben am Schöpfungsgeschehen und die Weitervererbung von kulturellen Prozessen. Es ist eine würdevolle Arbeit und sie erhält die Kontinuität des Lebens aufrecht; in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft.

 

 

 

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